Michael Sontheimer: Ein Anarchist mit Prinzipien

Bald konnte man Klaus regelmäßig abends in der taz treffen. Zusammen mit seinem Kollegen Hans-Christoph Buch produzierte er die "Literataz", eine unabhängige Beilage mit Texten von Schriftstellern. Schließlich hatte er die taz schon unterstützt, bevor es sie überhaupt gab. Für den "Prospekt: tageszeitung", der 1978 - ein Jahr vor dem Start der taz - erschien, hatte ihn sein Freund Christian Ströbele in Ostberlin zum Projekt einer linken Tageszeitung interviewt.

Als er nach dem Fall der Mauer für kurze Zeit als Geschäftsführer der Ost-taz firmierte, war ihm die Westausgabe schon zu angepasst, politisch wie ästhetisch. Dass die Ost-taz schnell wieder eingestellt wurde, zeigte ihm, dass auch die Westlinken die Vereinigung nach dem Muster "West übernimmt Ost" praktizierten. Nicht nur wie, sondern dass die DDR überhaupt unterging , empfand er als persönlichen Schlag. Obgleich er Honecker und Mielke aus ganzem Herzen dafür hasste, dass sie dem Sozialismus als Gefängnis reale Gestalt gegeben hatten, der notorisch Unbehauste verlor ein mögliches Rückzugsgebiet.


Quelle: taz Nr. 6445 14.5.2001, S. 12 [Volltext]


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