Das geplante DDR-Nachrichtenmagazin "Profil"



Das Mitglied des Politbüros, Albert Norden, beauftragte im Spätherbst 1963 Hans Otten, damals Chefredakteur der NBI, ein vom Stil und dem Layout her dem "Spiegel" nachempfundenes sozialistisches Nachrichtenmagazin zu konzipieren. Zusammen mit einem Team der besten DDR-Journalisten
erarbeitete Otten eine Nullnummer des Nachrichtenmagazins, das "Profil" heißen sollte. Probexemplare der Nullnummer wurden Mitgliedern des ZK der SED und anderen Persönlichkeiten im Oktober 1964 zur Begutachtung vorgelegt.
Während Willi Stoph sich von der Nullnummer begeistert zeigte, konnte sich eine Gruppe um Walter Ulbricht, die das Nachrichtenmagazin "Profil" ablehnte, gegen den Initiator des Projekts Albert Norden durchsetzen. Hinzu kam, dass auf der Titelseite der Nullnummer, deren Hauptbeitrag die mangelnden Fremdsprachenkenntnissse der DDR-Kader thematisierte, durch eine umgestürzte Kiste mit der russischen Aufschrift "Nicht stürzen" abgebildet war. Da kurz vor der Auslieferung der Null-Nummer in Moskau Chruschtschow gestürzt und ein drastischer Kurswechsel durchgesetzt worden war, verzichtete die SED-Führung stillschweigend auf die Weiterführung des "Profil"-Projekts.

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