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Franz Fühmann - Schriftsteller, Essayist


Foto: F. Fühmann: Briefe 1950-1984. Rostock,1994. S. 297.

"Du bist auf dem Weg vom guten Erzähler zum Erzähler ersten Ranges, und ich wünsch Dir, dass Du es durchstehst. Was es an Qualen bedeutet, weiß ich."

Franz Fühmann: Briefe 1950-1984. Eine Auswahl. Hrsg. von Hans-Jürgen Schmitt. Rostock, 1994. S. 278.

Angaben zur Biografie

1922 Fühmann wird in Rokytnice/Rochlitz (Tschechien) als Sohn eines Apothekers geboren. Sein Vater ist NS-Ortsgruppenleiter.
1928 - 1932 Besuch der Volksschule in Rokytnice
1932 - 1936 Jesuitenkonvikt Kalksburg bei Wien
1936 - 1939 Besuch des Gymnasiums in Liberec/Reichenberg
1938 tritt er der Reiter-SA bei.
1939 Besuch des Reform-Realgymnasium in Vrchlabi/Hohenelbe,

meldet sich freiwillig zum Reichsarbeitsdienst
1941 Abitur
1941 - 1945 Wehrmacht/Luftwaffe
1942 Veröffentlichung erster Gedichte im Rahmen einer lyrischen Reihe in Hamburg ("Jugendliches Trio")
1945 - 1949 befindet sich Fühmann in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.
1946 besucht er die "Antifa-Schule" Noginsk bei Moskau, in der er sich zum überzeugten Marxisten wandelt.
1949 - 1973 Mitglied der NDPD (Nationaldemokratische Partei)
1954 - 1959 wird Fühmann vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) als GI "Salomon" geführt, da er jedoch keine Berichte lieferte und zu keinem konspirativen Treffen bereit ist, kommt es zur Entpflichtung.
1954 - 1963 Mitglied des Präsidialrates des Deutschen Kulturbundes, der Deutschen Akademie der Künste und des Redaktionsbeirates der Zeitschrift "Sinn und Form"
1956 Heinrich-Mann-Preis
1957 Nationalpreis III. Klasse
1958 freier Schriftsteller,

Beginn von Arbeitsaufenthalten, u.a. bei der Volkspolizei, in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG), auf der Warnow-Werft in Rostock
1961 Fühmann schreibt einen Offenen Brief an Günter Grass und Wolfdietrich Schnurre zur Verteidigung des Mauerbaus.
1963 Johannes-R.-Becher-Preis
1964 Brief an den Minister für Kultur Hans Bentzien zu Schaffensproblemen (Absage an den Bitterfelder Weg),

Kunstpreis des FDGB
1970 Ernst-Barlach-Medaille
1972 Lion-Feuchtwanger-Preis
1976 Nach der Unterzeichnung des Protestbriefes gegen die Ausbürgerung Biermanns wird Fühmann verstärkt durch das Ministerium für Staatssicherheit überwacht und zunehmend aus der Öffentlichkeit verdrängt.
1977 verweigert er dem Vorstand des Schriftstellerverbandes die weitere Mitarbeit, da der SV Sarah Kirsch das von ihr erwartete Gespräch nicht angeboten u. somit ihre Ausreise in die BRD begünstigt hat.

Kritikerpreis des Verbandes deutscher Kritiker e.V. Westberlin
1982 Geschwister-Scholl-Preis (München)
1984 Fühmann stirbt an einer Krebserkrankung.

Werkauswahl

1953 "Die Nelke Nikos" (Gedichte)
1955 "Kameraden" (Novelle)
1957 "Aber die Schöpfung soll dauern" (Gedichte)
1966 "König Ödipus" (Erzählungen)
1967 "Das Judenauto" (Erzählung)
1968 "Shakespeare. Märchen" (Kinderbuch)
1971 "Das Nibelungenlied" (Kinderbuch)
1973 "Zwanzig Tage oder Hälfte des Lebens" (Ungarntagebuch)
1981 "Säiens-fiktschn" (Erzählungen)
1982 "Vor Feuerschlünden: Erfahrung mit Georg Trakls Gedicht"
1985 "Dreizehn Träume" (Traumprotokolle)
1986 "Die Schatten" (Hörspiel)