Potsdamer Straße


Den Nachmittag und den Abend über im besetzten Haus in der Potsdamer. Eigentlich sind es zwei Häuser, nebeneinander, mit Innenhof, deren hintere Bebauung biszum ersten bzw. zweiten Stockwerk abgerissen worden ist. Burgähnlich.



In der Hofmitte ein riesige Kastanie. Die Hauswände, die Treppenflure vollgesprüht mit Sprüchen und Zeichen, deren häufigstes das von einem Kreis umrandete große A ist. Alles macht den Eindruck des Improvisierten, das sich eine feste Form geben will. Noch im vorigen Jahr war die Hauskneipe, das K.O.B., nichts weiter als ein herunter-gekommener Laden mit Bierkästen und Sperrmüllmöblierung darin.



Jetzt herrscht ein geometrisches Schwarz-Weiß vor, es gibt eine Theke, es gibt Tische und Stühle, und einmal, als ich von der Bülow her die Potsdamer südlich fuhr, sah ich ein halbes Dutzend aus den Fenstern hängende wagemutige Gestalten beiderlei Geschlechts mit Farbrollern in den Händen. Jetzt stechen die Häuser mit ihrem blendenden Weiß schon von weither aus dem gräulichen Braun der Straßenflucht hervor.

Quelle. Fliegender Wechsel. Frankfurt/M.: S. Fischer Verlag, 1990. S. 251f.



Gestern noch Zimmer besichtigt in der Potsdamer. Werde im zweiten Stock wohnen, vorne heraus, mit Blick auf den riesigen Neubau, der an die Stelle des Sportpalastes gesetzt wurde. Das Notwendigste zusammengesucht. Tisch, Stuhl, Wäschetasche; Matratze, paar Bücher und die Schreibmaschine. Einzug morgen.

Quelle. Fliegender Wechsel. a.a.O., S. 282.

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