Kurswechsel



Gorbatschow und HoneckerMit der Wahl Michail Gorbatschows zum Generalsekretär der KPdSU 1985 geriet die SED-Führung in eine Krise. Die SED berief sich nun erstmals unter Honecker auf einegewisse Eigenständigkeit und ging auf Distanz zu den innenpolitischen Reformen der Sowjetunion. Offiziell wurde nun vom "Sozialismus in den Farben der DDR" gesprochen. Diese Abgrenzungspolitik veranlasste eine große Mehrheit der DDR-Bürger, endgültig mit dem DDR-System zu brechen. Die Anzahl der Ausreiseanträge in die Bundesrepublik nahm drastisch zu und zeigte so die Unzufriedenheit der Bürger.
Die Reformen in der Sowjetunion, die Politik von Glasnost und Perestroika, der Versuch also, das marode Wirtschafts- und Gesellschaftssystem der UdSSR zu reformieren und überlebensfähig zu machen, wurde seitens der DDR-Führung nicht nur abgelehnt, sondern geradezu diffamiert. Kurt Hager, Mitglied des Politbüros der SED, erlangte mit der rhetorischen Frage "ob man seine Wohnung ebenfalls neu tapezieren müsse, wenn der Nachbar dies tue", in einem Interview des Hamburger Stern eine zweifelhafte Berühmtheit. Die SED sah keinen Handlungsbedarf für die DDR.

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