Das 11. Plenum des Zentralkomitees der SED 1965


Broschüre Honecker "Die Kulturpolitik unserer Partei wird erfolgreich verwirklicht"Das 11. Plenum stellt eine Zäsur in der Entwicklung der DDR dar. Geplant ist es eigentlich als Wirtschaftsplenum, doch wird hauptsächlich über Jugend- und Kulturpolitik diskutiert. Es kommt zu einem Rundumschlag gegen "schädliche Tendenzen". Kritisiert wird sowohl die Arbeit der Kreativen (Autoren,
Schauspieler, Musiker) als auch das Versagen der Kontrollgremien in Ministerien, Verbänden und Institutionen (z.B. im Rundfunk, Schriftstellerverband).
In einer Grundsatzrede rechnet Erich Honecker mit der bisherigen Politik ab. Vor allem wendet er sich gegen die Künstler, die "den lebensverneinenden, spießbürgerlichen Skeptizismus als alleinseligmachende Religion" verkünden. Wenn man Arbeitsproduktivität und Lebensstandard erhöhen wolle, "dann kann man nicht nihilistische, ausweglose und moralzersetzende Philosophien in Literatur, Film, Theater, Fernsehen und Zeitschriften verbreiten". Des Weiteren richtet er sich gegen die "dem Sozialismus fremde, schädliche Tendenzen und Auffassungen" in manchen Kunstwerken. Als Beispiele nennt er die DEFA-Filme "Das Kaninchen bin ich" und "Denk bloß nicht, ich heule", Heiner Müllers Stück "Der Bau" und Stefan Heyms Roman "Der Tag X", der die Wahrheit über den 17. Juni 1953 entstellt habe. Dem Schriftsteller Wolf Biermann wirft Honecker Verrat am Staat und auch an dessen von den Nazis ermordeten Vater vor.
Als Ursachen dieser Missstände benennt Honecker ein ungenügendes marxistisches Weltbild der Künstler, eine geringe Kenntnis der Politik der Partei und den Hang der Künstler zum Skeptizismus. Die Künstler würden damit die Linie des Westens vertreten, der die DDR "im Zuge einer sogenannten Liberalisierung" von innen her aufweichen wolle.
Als Folge des 11. Plenums werden Exempel statuiert: Neben Theaterstücken und Rundfunksendungen wird ein ganzer Jahrgang DEFA-Filme verboten und viele Bücher werden nicht gedruckt. Die DDR wird "ein sauberer Staat" (Erich Honecker).


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