Neuer Kurs



Walter UlbrichtDer verschärfte Kurs der DDR-Führung nach der II. Parteikonferenz stieß auf Unverständnis in allen Teilen der Bevölkerung. Proteste wurden laut. Versorgungsmängel verschärften sich. Gegen Ende des Jahres 1952 und vor allem in den ersten Monaten 1953 waren die Anzeichen einer schweren Wirtschaftskrise unübersehbar. Die Zahl der DDR- Bürger, die in den Westen flohen, stieg dramatisch an.

Nachdem Stalin am 5. März 1953 starb, leitete eine neue kollektive Partei- und Staatsführung in Moskau einen "Neuen Kurs" ein.
Vom 2. - 4. Juni 1953 wurde die SED-Führung nach Moskau bestellt und ein sofortiger Stop des beschleunigten Sozialismusaufbaus angeordnet .

So beschloß das ZK der SED am 9. Juni 1953 den "Neuen Kurs" und verkündete diesen zwei Tage später im "Neuen Deutschland", dem Zentralorgan der Partei. Die Steuer- und Preiserhöhungen wurden ebenso aufgehoben wie die Beschränkungen für die Ausgabe von Lebensmittelkarten. Handwerker, Einzelhändler und private Industriebetriebe konnten die Rückgabe ihrer Geschäfte und Betriebe beantragen. Verhaftungen und Urteile sollten überprüft und der Kampf gegen die Kirche eingestellt werden.

Damit versuchte die Regierung der DDR, die politischen Verhältnisse zu mildern und auf den Stand vor der II. Parteikonferenz zurückzudrängen. Dennoch rechtfertigte die SED den beschleunigten Aufbau der Schwerindustrie und nahm die Ende Mai verkündeten Normerhöhungen nicht zurück. Das sorgte vor allem unter den Industriearbeitern für Unmut und konnte letztlich die Ereignisse des 17. Juni 1953 nicht mehr verhindern.

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