Pressestimme zu "Hotel oder Hospital"

"Schlesinger hielt sich längere Zeit in einem der modernsten Krankenhäuser unserer Republik auf. Er bekennt, vor der schwierigen Aufgabe gestanden zu haben, aus tausend Aufzeichnungen die für das Manuskript nötigen 160 Seiten herauszudestillieren.
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Schlesinger bleibt streng bei der Reportage und geht mittels der Fülle höchst interessanter, informationsreicher Details über die Struktur dieser Einrichtung, das Funktionieren eines gut aufeinander abgestimmten Apparates und das Leben von Ärzten, Schwestern und Patienten neu mit einem alten Thema um. Streckenweise wirkt seine Darstellung durch viele Zahlen und Berichte über Berufsvorgänge sowie durch Vergleiche mit der Industrie wie ein Sachbericht. Bereits damit nimmt er jedoch diesem Bereich den Nimbus des ganz und gar Ungewöhnlichen, realisiert seine These: 'Das Dramatische gibt sich alltäglich.'
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Vorzüglich ... ist seine Art der Auswahl, damit der Wertung, die dadurch bedingte Komposition - die den Triumph des Lebens hervortreten lässt -, die Vielzahl eingeflochtener Schicksale, mit denen er im Krankenhaus bekannt wird. Ebensogut wirkt auch sein historischer Aufriß des Krankenhauswesens, der die historisch neue Qualität unseres Gesundheitswesens hervortreten läßt. Jede Handlung, jeder Gedanke sind von Achtung vor dem Menschen diktiert. Bis ins kleinste Detail sind hier Veränderungen spürbar, die vom neuen Ethos des Arztberufs, von der Sorge um das Wohl jedes einzelnen künden ..."

Quelle: Anneliese Große: Neues Deutschland, Literaturbeilage, 10, 1973.

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