Leseprobe aus "Warte, warte auf ein Teilchen ..."

Am 4. November 1963 platzte ihr der Kragen, den sie in der "TM 62" nicht waschen konnte. Frau Edelgard Stolz aus Birkenwerder bei Berlin schrieb ans volkseigene Waschgerätewerk Schwarzenberg: "Seit Juli dieses Jahres besitze ich Ihre Waschmaschine ‚TM 62'. Man höre und staune: Ich habe sie noch nicht einmal richtig benutzen können... Am 14. August wurde mir eine neue Trommel eingesetzt, da die erste mit Rissen geliefert worden war. Nun wollte ich endlich loslegen und Wäsche waschen. Leider mußte ich feststellen, daß die Maschine nicht heiß wurde; das Wasser blieb lauwarm. Also war auch Ihr Thermostat von Anfang an nicht in Ordnung! Mehrmals bemühten wir uns in Oranienburg erfolglos um Ersatz. Um wenigstens die Buntwäsche waschen zu können, trage ich mir jedesmal angewärmte Waschlauge aus der Küche ins Badezimmer. Zur neuen Trommel möchte ich noch sagen, daß sie über und über mit Rostflecken besät ist. Ich denke, es ist nichtrostender Stahl?! Man hat mir offenbar eine minderwertige Trommel eingebaut. Das allein ist ein Grund, vor Ärger krank zu werden.

Ich habe zwei Kleinkinder und brauche die Maschine dringend. Bitte, helfen Sie mir doch endlich! Für soviel Geld muß man doch etwas verlangen können!
Ich habe jetzt keine Geduld mehr!"

Geteiltes Leid - kein halbes Leid

Es ist nicht bloß das lauwarme Wasser in der Waschmaschine, das den Kunden zum Kochen bringt, nicht nur eine gepfuschte Trommel, die den Käufer auf die Pauke hauen läßt.
Tausend Dinge unseres technisierten Alltags bergen Fehlerquellen; tausend Fehler werden zu Quellen des Ärgers, wenn der Weg zur Reparatur durch Ersatzteilengpässe versperrt wird.

Elektrisch und mit Groll im Herzen mahlt Herr Willy Hille in Neugersdorf seinen Morgenkaffee; denn vergebens graste er fünf Spezialgeschäfte seines Wohnorts ab und unternahm schließlich eine halbe Tagesreise nach Zittau, ehe er Ersatz für den zersprungenen Plastedeckel der Kaffeemühle - Verkaufspreis:
0,33 DM - erhielt.

Quelle: NBI 27, 1964.

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