Leseprobe aus "Die Sache mit Randow"

Ich stehe auf dem Damm und starre in den Himmel über dem Haus Nummer fünf. Seit mindestens einer Stunde stehe ich mitten auf dem Damm und starre in den Himmel über dem Haus Nummer fünf.

Ich bin nicht allein. Gleich mir stehen hundert, vielleicht sogar hundertfünfzig Leute auf dem Damm und starren in den Himmel über dem Haus Nummer fünf. Zweimal ist die Polente hiergewesen und hat uns aufgefordert, auf den Gehsteig zu treten. "Bürger, seien Sie vernünftig und treten Sie auf den Gehsteig!" hat einer von der Polente gerufen, und zwei, drei andere haben seiner Aufforderung einen sanften Nachdruck verliehen, indem sie betont langsam und mit ausgebreiteten Armen auf die hundert oder hundertfünfzig Leute zugegangen sind. Widerwillig haben sich die Leute Richtung Bürgersteig bewegt, aber kaum hat sich die Polente zurückgezogen, sind die ersten schon wieder auf den Damm gegangen, und es hat keine fünf Minuten gedauert, da ist er wieder voller Menschen gewesen.

Am Anfang, gleich nach dem Mittagessen, sind es nur ein, zwei Dutzend gewesen, aber jetzt, es geht auf drei Uhr zu, sind es mindestens hundertfünfzig, wenn nicht schon mehr. Zuerst hat nur die Truppe vom langen Maschke auf dem Damm gestanden, mit Burkhard Drews, der Schultheiß genannt wird , mit Hotta dem Zimmermann, Heinz Hammoser und noch ein paar anderen. Mitten darin meine Schwester, und jetzt, kurz vor drei, auch ihre Freundin Edith Remus.

Quelle: Die Sache mit Randow. Roman. Berlin: Aufbau-Verlag, 1996.

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